Workshop: “KnowNow” und “Mindnode”
“KnowNow”
Besatzungswechsel auf der Sea Watch 3, das alte Team arbeitet die neue Crew ein. Es gibt Rundgänge, Checklisten und viel Input für die Neuen. Das Schiff legt ab, die erfahrenen Kollegen sind von Bord gegangen. Nun muss jeder Handgriff sitzen. Aber: Wie prüft man bei dieser Maschine noch gleich den Ölstand? Wann waren nochmal die Frühstückszeiten? Für all diese Fragen gibt es KnowNow, den Chatbot, der alle wichtigen Infos für die Crew zum Abruf bereit hält.
“Mindnode”
Gerade warst du noch in der vertrauten Heimat, bei Familie und Freunden. Jetzt hörst du die Motoren, die Dich raus aufs offene Meer fahren. Du bist jetzt nicht mehr Mitarbeiter hinter einem Schreibtisch, Du bist Seenotretter auf der Sea Watch 3. All die neuen Eindrücke willst du festhalten? Dafür gibt es Mindnode. Dein Tagebuch, das dir in schwierigen Situationen über die Schulter schaut, dir Entspannungsübungen vorschlägt oder deine Mentale Hygiene analysiert.
Partner:
IBM Studios Hamburg, Consulting Einheit innerhalb von IBM
Zeitraum:
21.01.2019 - 01.02.2019
Briefing:
IBM brachte uns Jakob mit, einen ehemaligen Maschinisten der Sea Watch 3. Anhand seines Inputs zu den Needs im Alltag der Seenotretter erarbeiteten wir zwei Prototypen für eine Anwendung auf der Sea Watch 3.
Brainstorming
Im ersten Brainstorming kreisten unsere Ideen um drei Kernfelder: Fragen rund um Spendengelder für die Seenotrettung, die Frage, wie man Geflüchtete mit relevanten Informationen versorgen könnte sowie Frage rund um die Besatzung der Sea Watch und der internen Organisation. Zum letzten Punkt zählten so spannende Fragen wie: Wie kommunizieren die Seenotretter mit den Geflüchteten? Wie bekommt die besatzung psychologische Betreuung, wenn dies nötig werden sollte? Wie werden Seenotretter in ihre Aufgaben eingeführt, und wie kann die Besatzung Wissenslücken ausgleichen?
Ideenfindung
In der Forschungsphase recherchierten wir zunächst noch recht offen in die Richtungen der genannten Themenfelder. Der letztere der drei Themenkomplexe entpuppte sich jedoch als der komplexeste, der viele Anknüpfungspunkte für unsere Arbeit bot. Wir konzentrierten uns daher auf dieses Themenfeld.

Dabei beschäftigten wir uns intensiver mit der Frage der psychologischen Unterstützung für die Besatzung und setzten uns in diesem Rahmen mit psychologischen Tests und deren Umsetzung in Chatbots auseinander. Es gibt eine Vielzahl von Chatbots, die eine psychologische Anamnese mit den UserInnen durchführen. Diese beruhen auf verschiedenen psychologischen Therapieansätzen bzw. Krankheitsbildern. Für uns war hier besonders die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) von Relevanz. Unsere Erkenntnis war aber auch, das eine App nicht als Psychotest daherkommen sollte, wenn sie effizient Menschen erreichen soll. Besser ist die “Tarnung” in der Form eines Tagebuchs. Hier können Crewmitglieder ihrer Eindrücke festhalten, das Tagebuch meldet sich dann, wenn es über das Geschriebene eine psychische Belastung erkennt – und bietet Hilfestellung an. Diese Informationen nutzen wir, um den Prototypen “Mindnode” zu entwickeln.

Ein anderer Strang unserer “Forschung” befasste sich mit dem Wissenstransfer zwischen alter Crew und neuer Crew an Bord des Schiffes. Zu diesem Zweck haben wir Informationen darüber gesammelt, wie Unternehmen zur Zeit Wissen weitergeben, sei es über Wikis, Foren oder Plattformen wie Slack und Evernote. Dabei haben wir auch Anzeichen dafür entdeckt, dass ein Bot bei der Abfrage von Daten aus einer Datenbank gewisse Vorzüge bei diesem Wissenstransfer haben kann. Wir sind in der Konzeption unseres Bot-Prototypen “KnowNow” noch einen Schritt weitergegangen und haben auch über das Befüllen einer Datenbank über einen Bot nachgedacht. Dabei setzten wir uns auch etwa mit der Frage auseinander, wie man den UserInnen Anreiz gibt, selbst Einträge zu erstellen.

Ergebnis
Die beiden Kernthemenfelder aus unserer Forschungsphase wurden in den beiden Prototypen “Mindnode” und “Knownow” visualisiert.

Das intelligente Tagebuch mit integrierter psychologischer Unterstützung, “Mindnode”, lässt die User ihre Gedanken, positive wie negative, festhalten und auf Wunsch mit der Welt teilen. Stellt Mindnode anhand des Geschriebenen fest, dass ein psycholgisches Problem vorliegen könnte, kann Mindnode in einen Therapiemodus überleiten, der unter Anwendung anerkannter psychologischer Methoden einer Posttraumatischen Belastungsstörung vorbeugen kann.

Der Bot zur Abfrage und Befüllung eines Wikis mit Wissen, “KnowNow”, wurde IBM ebenfalls erfolgreich präsentiert. KnowNow – so die Idee – ist das zentrale Gehirn des Schiffes, wenn es um alle möglichen Fragen geht. Wie einem realen Chatpartner kann man dem Bot über WhatsApp eine Frage stellen. Diese wird dann in der Regel sofort beantwortet: Dies muss nicht zwingend ausschließlich in Textform geschehen, sondern kann auch mit Unterstützung von Bildern erfolgen. Sollte eine Frage mal nicht beantwortet werden können, wird sie an die Community gestellt. Jedes Mal, wenn der User eine Antwort bekommt, wird er gebeten, eine der offenen Fragen zu beantworten. Die Befüllung verläuft ebenfalls dialogisch und Bilder können direkt über das Smartphone aufgenommen und eingepflegt werden. Eben ganz so, als würde man einem Crewmitglied eine Nachricht schicken.